Heavy Pedal & Criss Cross

Critical Dirt 2010 – der Sonntag – ein Rennbericht:

Der grandiose Samstag mit dem einzigartigeh Etappenrennen war noch rege zu spüren, als ich Sonntag Morgen aus meinem Schlafsack krabbelte. Gääähn, Krummel, Augen reiben, schön gefrühstückt und dann mit allerlei Summen, Surren und schöner Melodei raus Richtung Badesee und Crossrennstrecke. Ein duftes Wetter, perfekte Musik, köstlich kostengünstige Kost und viele entspannt lässige Menschen bildeten den Auftakt zu einem Rennen, was so schnell nicht vergessen werden will. Aufgefächert in zwei Gruppen und zwei Fahrten, hieß es, sich für das eigentliche Hauptrennen zu qualifizieren.
Kein leichtes Unterfangen bei so vielen fitten und stattlichen Fahrern vor Ort. Naja, watt solls, frohen Mutes und gut vorbereitet durch die vorangegangene Streckeneinführung schwang ich mich in meinen Sattel und preschte im Hauptfeld mit über die perfekt angelegte Strecke. Volle Kanne über Schotterwege, schnaufend drückend in die Anstiege reingehalten, beharrlich in dem Wiesenanstieg beim Tragen mit den Schuhen weggerutscht und dabei zu viel Kraft in den Beinen gelassen, begierig im ersten Downhill die Karre freigegeben und die Waden wieder aufgefrischt, vorbei an jubelnd und schreiender Meute ab auf die Dreck & Staubpiste gebrettert um zu allerletzt im sandig, aufgelockert ausschweifenden Schlussstück völlig fertig und abgekämpft über die Barriere zu stolpern. Was für ein herrliches Gepumpe und Erschlaffen. Nachdem ich das erste Bier gewissenhaft meinem Körper zugeführt hatte, stand fest, dass dieses schöne Rennfeeling nochmal genossen werden darf, denn meinereiner hatte es ins Finale geschafft. Zufrieden über dieses kritische Kunststück fand ein weiteres lauwarmes flüssig Brot den Weg in die müden Knochen um sie umgehend zu erquicken & erneuern. Etwaige gut gemeinte Absprachen sich auf dem Zenit zum Pfannkuchenwettessen zu treffen waren spätestens nach der ersten Kurbelumdrehung wieder vergessen. Nun hieß es treten, treten, treten was die Beine hergaben. Alles oder Nichts. Die erste Kurve in einen leichten Anstieg hinein lag mir besonders, so dass ich hier immer gut Geschwindigkeit und Plätze gut machen konnte, welche dann wiederum in den folgenden Steilpassagen krampfhaft verteidigt werden mussten. Für den Reiz und die Subtilität der verlockenden Pfannkuchen- und Bierstation in Mitte der Strecke war diesmal keine Zeit und ein Teil von mir verfluchte mich um diese Entscheidung Runde um Runde. Egal, das wird alles im Ziel wieder nachgeholt schwor ich mir. Die ersten Runden liefen ganz gut, wenn man vom trockenen und staubigen Mund sowie den leeren Beinen absehen konnte. Pro Runde fuhr’ ich mich an die führenden Arne und Ken heran und allein dieser Umstand reichte schon um nochmal alle Reserven zu mobilisieren. Nun stand es auf der Kippe, die letzte Runde brach an, vor mir Ken, dann Arne. Den rasenden Arne jemals einzuholen, war ein Ding der Unmöglichkeit und auch jemals an den sattelfesten Ken heranzufahren schloss ich erstmal rigoros aus. Noch voll beflügelt von der schreienden Meute im Zielbereich ballerte ich also über die Startgerade, rein in den ersten geilen Anstieg, am Lenker gerissen und die 44/18 meines Singlespeeders durchgedrückt. Und auf einmal tauchte Ken vor mir im zweiten Anstieg auf, er schien angeschlagen, kurbelte sich durch die Schuttbergrinne stetig hinauf. “DAS ist deine Chance, jetzt oder nie…” dachte ich kurz und stampfte im Wiegetritt an Ken vorbei. Dieser kurze Moment war das Besondere für mich. Komplett in Trance mein Bike pressend hörte ich nur noch wie Ken neben mir sagte: “GO! yes, go for it Boy! Go and get it!” Was für eine geile Scheiße, was für ein cooler Typ. Also kniff ich wohlwissend, dass die schwierigsten Passagen noch kommen werden, die Arschbacken zusammen und rannte kurz an der Kotzgrenze den Wiesenanstieg hoch, würgte nochmal das Rad bis zur Pfannkuchenstation, an der die Leute mich mit den Worten: “ne, der will kein Bier, das ist einer von diesen Fittfuckern” begrüßten, entspannte ein wenig auf der folgenden Abfahrt und leierte weiter Richtung Zieldownhill. Kurz bevor es bergab ging wagte ich einen Blick über die Schulter und sah Ken immer näher kommend auf mich zurollen. Von unten hörte ich nur noch Gejohle und Geschreie als ich die Bremsgriffe losließ und es schneller wurde. Vorbei an einer fabelhaften Geräuschkulisse welche mehr Wirkung hatte als zwei rote Stiere des gleichnamigen österreichischen Getränkeherstellers, schleuderte es mich in die staubige Buckelpiste. Nicht mehr fühlend, nicht mehr denkend ging es gleich darauf in das verhasste Schotterbett. Intuitiv wählte ich wieder die rechte Außenlinie und versuchte über die halbwegs feste Schräge vorwärts zu kommen.
Ken, wählte den Weg unten am Wasser und kam immer näher. “Scheiße!”, dachte ich, “scheiße, das schaffst Du nicht, hier musstest Du sonst immer absteigen”. Im letzten Moment drückte ich über den Kies, sprang ab, rannte was die Beine hergaben Richtung Ziel…
ab hier fehlt mir ein Stück in der Erinnerung, und kam überglücklich nach der Hürde zum Stehen. Fünf Sekunden später umarmten Ken und ich uns und ein unvergessliches Rennen war gelaufen. Der Rest war Bier, nackisch mit den Jungs baden und wie ein Honigkuchenpferd in mich Reingrinsen.

Für mich eines der schönsten Events für immer!
Chapeau Leipzig, Chapeau Harry Otter Crew, Danke Ken & Danke an all’ jene Leute welche diesen Tag zum schönsten Geburtstag seit langem werden ließen.

Robert

Crossrennen auf Staubpiste

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